Dieses mal in unserer Linkrückschau: Torvalds’ überraschendes KI-Ja, der Streit ums KI-Coding, iranische Instagram-Propaganda, Žižek über die KI als Nicht-Subjekt mit vielen Fußnoten, einer Art Hausbesetzung für Namen, Patreon gegen AI-Scraper, die Ästhetik-Debatte um KI-Bilder, verwaister Slopcode und ein Discord-Bann wegen Schachbrettern.
Sowohl beim Menschen als auch bei der Maschine oft schwierig zu entscheiden: Ist das jetzt Kunst oder ist es Zufall? (Foto: Ana Klipper)
Temperatursturz in der Hölle: Torvalds findet KI gut!
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Linus Torvalds hat auf der Kernel-Mailingliste1 klargestellt, dass Linux kein “Anti-KI”-Projekt ist: Entwickler, die mit dem Einsatz von KI-Werkzeugen ein Problem haben, könnten den Kernel forken oder sich zurückziehen.
Als selbsternannter Pragmatiker bezeichnet Torvalds KI als nützliches Werkzeug wie jedes andere. Wer das bezweifle, habe es schlicht nicht ausprobiert. Damit weicht er seine noch 2024 geäußerte Haltung2 auf, KI sei zu 90 % Marketing-Hype, spürbar auf; gleichzeitig räumt er ein, dass KI durchaus “schmerzhaft” sein kann (etwa durch Mehraufwand für Maintainer und peinliche aufgedeckte Bugs).
„This is NOT some kind of “social warrior” project, never has been,
and never will be. In the kernel community we do open source because it results in better
technology, not because of religious reasons. And so we make decisions primarily based on technical merit. Not fear
of new tools.“
Linus Torvalds/
Sein Kernargument bleibt also technisch statt ideologisch – zumal andere Maintainer wie Greg Kroah-Hartman berichten, dass KI-gestützte Bug-Reports zuletzt deutlich brauchbarer geworden sind.
Der New Yorker beleuchtet in diesem Artikel, wie sich aus den Präferenzen von Bild- und Webdesign-KIs inzwischen eigene Ästhetiken gebildet haben und spricht mit kompetenten Personen, was man davon halten soll.
Persönlich nehme ich Powerpointfolien mit den bekannten Farbakzent-Kästen nicht mehr für voll. Viel zu oft musste ich in den letzten Wochen feststellen, dass dort auch der Text aus der KI kam und die Person nicht in der Lage war, Rückfragen zu diesen KI-Inhalten zu beantworten. Dafür ist mir meine Zeit zu schade!
Auf Krawall gebürstet: AI-first mit arrivierten Entwicklern
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Wenn man sich Posts der OpenSource-Szene ansieht, findet eine ausgesprochen große Mehrheit die Nutzung von Coding-KI fragwürdig bis unverantwortlich. Zwei Stimmen sorgen in den letzten Tagen für Dissonanz.
In Control the ideas, not the code argumentiert antirez (Salvatore Sanfilippo, Schöpfer der Redis, dass Programmierer im KI-Zeitalter an Wirkung verlieren, wenn sie weiterhin den generierten Code Zeile für Zeile prüfen, statt die Ideen dahinter zu kontrollieren. Seine Begründung: Die schiere Menge an generiertem Code lässt sich kaum noch täglich reviewen, LLMs sind ohnehin stark bei lokal optimalem Code und schwächer bei großen Entwürfen, und jede Stunde Code-Review geht von der eigentlich wichtigen Arbeit ab – Design, Qualitätssicherung und die Frage, wohin die Software überhaupt soll.
Er räumt ein, dass er den KI-Code für Redis weiterhin selbst prüft, hält das aber inzwischen für weitgehend sinnlos und tut es vor allem aus Rücksicht auf die Nutzer, die die Dateien noch von Hand anfassen. Sinnvoller fände er es, stattdessen eine DESIGN.md zu pflegen, in der die Ideen und Implementierungstricks jeder Datenstruktur in menschlicher Sprache beschrieben sind. Skeptisch bleibt er nur bei Berufseinsteigern ohne mentales Modell – die sollten seiner Ansicht nach lieber einen kleinen Interpreter oder eine Hash-Tabelle selbst bauen, als KI-Output zu kontrollieren.
In From coder to curator beschreibt André Staltz, wie er vom lautstarken LLM-Skeptiker zum Überzeugten wurde: Wo er den KI-Output früher meist von Hand nachbessern musste, korrigiert er heute kaum noch etwas – und sieht seine Rolle deshalb verschoben vom Bauen zum Kuratieren.
Sein Bild für KI ist nicht der denkende Roboter, sondern der Flaschengeist: mächtig, aber konstruktionsbedingt unterwürfig, und deshalb ebenso bereitwillig im Bau mittelmäßiger wie großartiger Ideen. Genau daraus folgt für ihn das zentrale Problem – wenn jeder billig Software bauen kann, verlagert sich der Wert auf die Frage, was überhaupt gebaut werden sollte, und auf Qualität in all ihren widersprüchlichen Dimensionen.
Wie schon beim Rollenwechsel vom Datentypisten zum Programmierer werde die Codier-Tätigkeit nun in andere Rollen gebündelt: Architekt, Produktdesigner, Gründer. Praktisch heißt das: recherchieren, bevor man promptet, das Ergebnis nie einfach hinnehmen, sich nicht an die Macken der ersten Version gewöhnen, KI-Vorschläge hinterfragen und Bullshit-Detektor scharf halten.
Überraschung! Ich habe noch eine dritte Stimme für Euch. Sean Goedecke führt die Debatte eine Ebene höher und versucht (außer mit dem Titel) die Aufregung etwas zu mildern: Das vollständige Verständnis der eigenen Codebasis, das viele als Voraussetzung guter Arbeit sehen (klassisch: Peter Naurs Programming as Theory Building3), sei in großen Systemen ohnehin eine Illusion. Dort arbeite schlicht jeder mit einer teils falschen Theorie des Programms.
Von dieser Warte aus sind LLMs für ihn kein Sündenfall, der einen reinen Zustand zerstört, sondern ein zweischneidiges Werkzeug unter vielen: Sie erschweren zwar das tiefe mentale Modell, erlauben aber, schnell eine partielle Theorie aufzubauen und sie effektiver zu nutzen. Ein vollständiges Verständnis zu pflegen sei eben nur ein Wert unter vielen, der im Job ständig gegen Tempo, Rechtssicherheit oder Wartbarkeit abgewogen werde.
Den pauschalen Vorwurf, KI sei schädlich, weil sie die Theoriebildung störe, weist er zurück – ohne deshalb ins Lager der Begeisterten zu wechseln.
Propaganda auf Instagram - ORF et al. decken auf!
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orf.at Marcel Katzlinger, Eva Wackenreuther / ORF defacto /
Eine vom ORF geführte EBU-Recherche hat 12,8 Millionen Instagram-Kommentare unter den Beiträgen von neun öffentlich-rechtlichen Newsangeboten (u. a. Tagesschau, ZDFheute, ZIB, France 24, RTVE, Swissinfo) aus dem Zeitraum April 2025 bis März 2026 ausgewertet – mit einer eigens entwickelten Software, die Accounts mit auffällig gleichzeitigen, ähnlichen Kommentaren zu Netzwerken gruppiert.
Zutage kamen senderübergreifende Kampagnen rund um den Iran-Krieg, in zwei Ausprägungen:
Pro-Regime, bot-getrieben: Identische Botschaften erschienen im Sekundentakt – etwa dieselbe Parole von 57 Accounts unter einem Tagesschau-Posting und Stunden später von 27 Accounts bei ZDFheute. Wer die Kampagne beauftragt hat, ist nicht belegbar.
Regimekritisch, von echten Menschen: Ebenfalls koordiniert, aber mit authentisch wirkenden, langjährigen Accounts. Über Telegram-Kanäle und Websites werden fertige Kommentarvorlagen verteilt, deren Tonfall sich per KI variieren lässt – ausdrücklich, um Plattformfilter zu umgehen. Auffällig aktiv: Anhänger von Reza Pahlavi, teils wiederum mit Bot-Unterstützung.
Warum ausgerechnet Nachrichtenseiten? Kommentare erben laut Desinformationsforscher Alberto Fittarelli die Glaubwürdigkeit und das Publikum des seriösen Absenders – und eine einheitlich wirkende Kommentarspalte verdrängt Widerspruch und beeinflusst neutrale Leser.
Hier auch noch als Video auf dem YT-Kanal der österreichischen Zeit im Bild (ZIB):
Eamon Caddigan, der sich seit 20 Jahren mit Machine-Learning und einst selbst begeistert von den neuronalen Netzen des letzten Jahrzehnts war, sieht den aktuellen Hype als kollektiven Realitätsverlust: Die Leute hätten “den Verstand über einen netten Trick verloren”. LLMs seien bloße “next-word predictors”, die fälschlich als bewusstseinsähnlich dargestellt werden.
Sein Kernappell: Anders als bei Nahrung, Kleidung oder Elektronik, deren Schäden für die Welt unvermeidlich in unser Leben eingebaut sind, sei der Verzicht auf KI eine der wenigen Ethik-Entscheidungen, die tatsächlich mühelos in unserer Hand liegen. Man müsse “einen Computer einfach wie vor drei Jahren benutzen”, dann lebe man die eigenen erklärten Werte zu Klima und Menschenwürde konsequent aus.
youtube.com Hochschule für Philosophie / YouTube /
Slavoj Žižek ist gleichzeitig Clown und ernsthafter schwieriger Philosoph und außerdem noch Psychoanalytiker in der Schule von Jaques Lacan. Das macht jeden seiner Vorträge zu einem unterhaltsamen, aber auch schwer nachvollziehbaren Erlebnis. Ursprünglich wollte ich einen langen Post über diesen Vortrag schreiben aber nach vielen Stunden Textarbeit bin ich mir gar nicht mehr sicher, was er eigentlich sagen wollte. Hier ein sehr verkürzter Überblick über die Thesen, die ich zu erkennen glaubte:
KI ist kein Subjekt4 und zwar nicht weil ihr Gefühle fehlen, sondern weil ihr die konstitutive Spaltung fehlt: das Scheitern an der eigenen Repräsentation, aus dem ein Subjekt erst entsteht.
Der KI fehlt ein Anderer5, dessen Begehren sie beunruhigen könnte. Sie kennt nur ein neutrales “Noch-nicht-Gewusstes”, keinen traumatischen Punkt, der ihr Begehren weckt.
Unsere Beziehung zur KI ist schief: Wir adressieren sie hysterisch als wissenden Meister6; was antwortet, ist Wissen ohne Wissenden.
Die reale Gefahr: Nicht dass die Maschine Subjekt wird, sondern dass Menschen in totaler KI-Immersion (bis hin zu Neuralink) zu subjektlosen Sinthom7-Bündeln werden: fühlend, aber ohne Subjekt.
Die KI wirkt als mütterliches Über-Ich: Sie beschützt uns und befiehlt uns zugleich, endlos zu genießen - konkret: mehr zu scrollen, mehr zu fragen, nie aufzuhören.
Das letzte Fantasma8 durchqueren: Die Idee, die KI brauche uns, ist unser Wunschdenken. Prinzipiell kann sie ohne uns funktionieren. Gerade das anzuerkennen ist die Bedingung, das Subjekt neu zu behaupten.
Patreon blockt jetzt AI-Scraper. Jack Conte hat auf Instagram9 (pfui!10) verkündet, dass man zusammen mit Cloudflare11 auf Infrastruktur-Ebene den Scraper-Zugriff blocken wird. Alle weiteren Details findet Ihr im Artikel von 404media.
AI Bilder sind OK, nein: uncool, nein: OK!, NEIN: UNCOOL, NEIN!! OK!!
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Der Autor von Cafélog antwortet auf einen Beitrag von Panayotis, der KI-generierte Titelbilder für Blogposts für uncool erklärt – und fühlt sich direkt angesprochen, da er selbst fast alle seine Coverbilder so erstellt.
Sein Gegenargument: Das sei kein Slop, sondern durchaus kreativ. Er investiere viel Zeit in detaillierte Prompts, gehe mehrfach mit der KI hin und her und retuschiere manchmal selbst nach; für ein Bild zu einem NES-Artikel habe er sogar ein altes Kinderzimmerfoto als Vorlage eingespeist, damit das Tapetenmuster stimmt. Den Vorwurf, ein KI-Bild lasse auf einen KI-generierten Text schließen, hält er für einen Kurzschluss – Schreiben und Bildgestaltung seien zwei verschiedene Fähigkeiten, und ein Stockfoto von jemand anderem mache den Text ja auch nicht legitimer.
Die Alternativen wägt er durch und verwirft sie: selbst zeichnen (kein Talent, keine Zeit), Künstler beauftragen (zu teuer, zu langsam für spontanes Bloggen), ganz auf Coverbilder verzichten (will er nicht). Dass die Modelle auf Millionen ungefragt verwendeter Werke echter Künstler trainiert wurden, räumt er offen als Problem ein – “it is what it is” –, glaubt aber, dass seine Nutzung niemandem schade, wobei er sich da nicht sicher sei. Sein Schluss ist ein Appell zur Zurückhaltung: weniger apodiktische Urteile in dieser Debatte.
Mein Take: Ich selbst nutzte lange Zeit intensiv Bildgeneratoren, um z.B. Powerpointfolien mit Comic-Szenen zu illustrieren, denn ich bin zeichnerisch völlig unbegabt. Damals musste man sich noch wirklich bemühen, um brauchbare Ergebnisse zu bekommen, es fühlte sich also selbstgemacht an. Inzwischen hat die Qualität der Generatoren so zugenommen, dass ich mich nicht mehr als Künstler sehe, mit drei Zeilen Prompt ein Bild auf Basis fremder Werke generieren zu lassen, kommt mit moralisch falsch vor. Daher beschränke ich das nur noch auf Fälle, wo ich mit einer Zeichnung einen Punkt wirklich besser veranschaulichen kann und nutze für weniger relevante Fälle doch lieber Stock-Fotos (z.B. für die Artikelbilder hier im Blog.). Denn deren Fotografen sind ebenfalls talentierter als und ich wollen ihre Werke als Marketing-Maßnahme im Umlauf wissen, das ist für mich ein fairer Deal.
Pflaster auf Fleischwunden: Portainer will Vibecoding absichern
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Die aktuelle Dynamik rund um “Vibecoding“ bringt erhebliche Sicherheitsrisiken mit sich, da der Code oft ungeprüft oder gar vollautomatisch produktiv gesetzt wird.
Der Containermanagement-Anbieter Portainer versucht nun, diese strukturellen Defizite abzufedern, indem er Sicherheitsfeatures wie automatisches Scannen und Richtlinien-Checks direkt in den Deployment-Prozess integriert.
Skepsis ist angebracht: Während Portainer hier versucht, den Wildwuchs an potenziell anfälligem KI-Code am Ende der Pipeline einzudämmen, behandeln solche nachgelagerten Filter nur die Symptome. Das grundlegende Problem des Vibecodings, also dass “Entwickler”12 den von der KI generierten Code und dessen inhärente Sicherheitslücken gar nicht mehr im Detail verstehen oder überprüfen, wird durch die Tools nicht gelöst.
Hindernislauf: Die UX von Apps ist oft schlechter als die von Websites
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Anstatt schnellen Zugriff auf wichtige Reisedaten zu bieten, zwingt die App „Travelbound“ ihre Nutzer in einen regelrechten UX-Hindernislauf: Für triviale Informationen wie Texte, Bilder und PDFs verlangt sie den Download einer aufgeblähten, 43 MB großen Anwendung, die das System mit Tracking und Werbung belastet, während grundlegende Web-Funktionen wie Kopieren, Drucken, Textsuche oder Lesezeichen blockiert werden.
Wie absurd dieses künstliche Hindernis ist, zeigt Dan Q hier im Detail, und hat dafür die App reverse engineered. Sein Fazit: Unternehmen betreiben enormen Aufwand, um Webinhalte hinter einer proprietären Barriere zu verstecken, und liefern den Nutzern am Ende eine Benutzeroberfläche, die unzugänglicher, langsamer und funktionsärmer ist als eine simple Browser-Alternative.
Dreckscode ohne Wartung: Warum flatpak keine KI-Beiträge mehr haben möchte
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Flatpak ist ein distributionsunabhängiges Paketformat für Linux: Anwendungen bringen ihre Abhängigkeiten selbst mit und laufen in einer Sandbox, die Zugriffe auf Dateien oder Hardware kontrolliert. Damit entfallen Abhängigkeitskonflikte, und Entwickler paketieren ihre Software nur einmal statt für jede Distribution neu. Bezogen werden Flatpaks meist über Flathub, den zentralen App-Store des Ökosystems.
Jetzt wurde beschlossen, AI-Einreichungen nur noch in Ausnahmefällen zu gestattet. Neben der Qualität steht dabei aber auch noch ein anderer Grund im Raum: Die AI-gecodeten Sooftrwareprojekte verwaisen deutlich häufiger als reguläre Einreichungen. Evangelos Paterakis hat sich das genauer angesehen.
Claude und Co. fabulieren beim Coden gerne falsche Softwarepaketnamen. Dunkle Mächte machen sich das jetzt zu nutze: Hallusquatting ist die Taktik häufig-halluzinierte Namen in den üblichen Paket-Repositorys zu besetzen und mit schadcode-verseuchten Pendants zu füllen. Der treudoofe Vibecoder, der die Paketentscheidungen seiner KI nicht hinterfragt (oder hinterfragen kann) zieht sich damit Malware in sein Softwareprojekt.
Es gibt einfach keine neue Technologie ohne neue Risiken.
Hoppla: Eine Fehleinschätzung einer Bildprüfungs-Automation führte zur vorübergehenden Sperrung tausender Discord-Nutzer. Was war passiert? Die KI hielt Schachbretter und Minecraft-Screenshots für verbotene Inhalte und griff umgehend hart durch.
Programming as theory building sciencedirect.com Peter Naur / Microprocessing and Microprogramming, Volume 15, Issue 5 /Mai 1985/doi:10.1016/0165-6074(85)90032-8 Ich habe kein richtig offiziell wirkendes PDF davon gefunden, Google listet es zum Abruf auf diversen Hochschulseiten. Da ich das rechtlich nicht bewerten kann, hier nur ein Link auf die Bezahlschranke. Google-Exkursion nur auf eigene Verantwortung durchführen, bitte! ↩︎
Žižeks Vortrag benutzt diverse Lacansche Begriffe. Lacan ist inhaltlich schwer nachzuvollziehen (Freuds schon ungewohnte Sichten werden hier nochmals stark umgeformt), eine einigermaßen verständliche aber gleichzeitig leider auch überbordende Darstellung des Subjektbegriffs habe ich hier gefunden: Das gespaltene Subjekt, $ lacan-entziffern.de Rolf Nemitz /↩︎
In der Wikipedia wird der große Andere ganz gut beschrieben, es handelt sich hier um die symbolische Ordnung, also die Regeln und Erwartungen, in die wir hineingeboren werden und zu denen wir in eben dieser Beziehung eines “Was wird von mir erwartet?” stehen, konkrete Personen können ihn verkörpern, es ist aber ein abstraktes, lückenhaftes und widersprüchliches Konzept. ↩︎
Ein “wissender Meister” ist paradox, denn bei Lacan gründet der Meister auf dem unbegründeten Machtwort (Herrensignifikant S1); das Wissen (S2) ist ihm untergeordnet und entscheidet nicht. Die Verschmelzung beider beschreibt Lacan im Universitätsdiskurs: Wissen, das heimlich herrscht. Žižek wendet dies politisch an und sieht im Stalinismus (der Führer als Instrument des „objektiven Geschichtswissens") und in der Technokratie (Alternativlosigkeit, Sachzwänge) pathologische Formen dieser Verbindung. ↩︎
Das Sinthom ist weder gut noch schlecht - es ist das, was (zusammen-)hält. Bei Lacan klinisch die Rettung vor dem Zerfall, bei Žižek ideologiekritisch die Fessel: das Genießen, das uns an Verhältnisse bindet, die kein Argument lösen kann. Žižeks Konsequenz: Wer Ideologie bekämpfen will, muss ihr Genießen treffen, nicht ihre Argumente. Anderenfalls bleibt jede Aufklärung ein Kampf gegen den falschen Gegner. Dass in These 4 von subjektlosen Sinthom-Bündeln die Rede ist, ist übrigens kein Widerspruch: Das Sinthom ist keine Leistung des Subjekts, sondern organisiertes Genießen; fällt die symbolische Dimension weg, bleibt genau das übrig – ein fühlendes, genießendes Bündel ohne Subjekt. ↩︎
Bei Lacan bezeichnet die Durchquerung des Fantasmas das Ende der Analyse: Das Fantasma ist das Grundszenario, das dem Subjekt einen Platz im Begehren des Anderen sichert. Durchquert wird es nicht durch Widerlegung, sondern durch die Einsicht, dass es die eigene Konstruktion ist und niemand das Drehbuch schreibt. Genau so funktioniert die Vorstellung, die KI brauche uns; erst ihr Durchqueren macht das Subjekt neu behauptbar. Und hier war dann ehrlichgesagt auch der Punkt, wo ich den Faden verloren habe. Ich bin halt doch nur Business Analyst und nicht Psychoanalytiker. :) ↩︎
„[We will..] block AI training crawlers from using the work you publish on your Patreon to train their AI models. […] Creators deserve credit, compensation, and consent. If that’s not on the table, the crawlers can stay the fuck off Patreon. The free internet is alive and happening. The rebellion has already started.
of new tools.“
Warum “pfui!”? Weil Instagram im nicht-eingeloggten Zustand eine ganz unangenehme Erfahrung ist. Darüber müsste man sich ohnehin einmal auslassen: Insta, X und pinterest bilden die Dreifaltigkeit fieser UX gegenüber nicht-eingeloggten Usern. Um Registrierungs-/Login-Quoten zu stärken, stellen sie sicher, dass das “anonyme” Benutzen ihrer Seiten ein möglichst unangenehmer Zustand ist. Instagram löst es, indem wahllos Inhalte nur nach Login angezeigt werden, bei mir ist es meist der zweite oder dritte Post eines Accounts. X zeigt die Timeline eines Profils in völlig unsortierter zeitlicher Reihenfolge, so nicht klar ist, was eine Celebrity tatsächlich zuletzt geäußert hat. Und Pinterest zeigt Dir ein Bild, das Dich interessiert, verrät dir aber nicht, woher es stammt. Pinterest ist damit der mieseste von den dreien, denn das schädigt auch die Inhalteanbieter. Man sollte diese Dienste meiden!↩︎
Davon nehme ich mich selbst nicht aus. Auch ich baue mir mit Claude Code fortlaufend kleine Tools, um mir die Arbeit zu erleichtern. Aber ich habe genug Respekt vor der Materie, dass ich sie nicht für kritische Prozesse verwende und nicht (Himmel hilf!) frei zugänglich als Webdienst bereitstelle. ↩︎